Frank Schaefer — UNTIEFEN

                                   
Eröff­nung: Donnerstag, 01.9.22, 19 Uhr 

Eröff­nung: Donnerstag, 01.9.22, 19 Uhr

Laufzeit: 01.09. – 29.09.2022

Untiefen

Der Begriff der Untiefe beinhaltet die doppelte Bedeu­tung von einer­seits einer geringen Tiefe und anderer­seits einer sehr großen Tiefe und bringt somit einen Dualismus zum Ausdruck den ich gewis­ser­maßen in meinen Arbeiten durch räumliche Fallen im Umgang mit Farbe, Form und Abgren­zung erzeuge. Licht und Schatten, subtile Farbnu­ancen sowie feine oder grobe Pinsel­gesten vereinen sich in einem Geflecht abstrakter Figuren, die in einem aktiven Mit- und Gegen­ein­ander im Austausch stehen. Im Sog der daraus resul­tie­renden räumli­chen Verhält­nisse verliert sich der Betrachter in die Untiefen maleri­scher Prozesse.

Dr. Sven Nommensen, 1. Vorsit­zender Kunst­verein Buchholz
in der Eröff­nungs­rede „Hier geht’s woanders hin“ 
(Künst­ler­haus Meinersen, 2019, Auszug):

Zum anderen arbeitet Frank Schaefer äußerst subtil und es bedarf des konzen­trierten und des beharr­li­chen Blickes des Betrach­ters um die ganze Wirkung der Gemälde zu erfassen und auf sich wirken zu lassen. Von Relevanz sind die minimalen Übergänge zwischen den einzelnen Farbfel­dern, die filigranen Abgren­zungen zwischen einzelnen Farbzonen und vor allem die Erschei­nung der Materia­lität der Farbmasse – diese Maler­eien sind nichts für den schnellen Blick. Der Künstler versetzt sich regel­recht in die Farbe: Der Farbduktus, also die materi­elle Beschaf­fen­heit, die Tonalität und der Ges­tus lassen die Farbflä­chen atmen; sie drängen – entspre­chend ihrer jewei­ligen Beschaf­fen­heit – in pulsieren­der Weise nach vorne oder ziehen sich nach hinten zurück. Diese körper­liche und physi­sche Ausstrah­lung schlägt sich also in direkter Weise auf die Betrach­tung nieder.

Aber die Bewegung weist noch weitere Dimen­sionen auf: insbe­son­dere die neueren Bilder zeichnen sich durch Diago­nalen und Schrägen aus. D.h. die Bewegungen vollziehen sich auch in und auf der Ebene; so drängen die Farbschollen über das Bildge­viert hinaus oder werden ins Innere hineingezogen.

Karl Ruhrberg hat ein ähnli­ches Phänomen bei Hans Hofmann (1880 – 1966), dem deutsch-amerikanischen Künstler, der die abstrakte Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhun­derts maßgeb­lich beein­flusst hat und der als einer der geistigen Väter von Frank Schaefer bezeichnet werden kann, als „push und pull“ bezeichnet.

Voraus­set­zung für diese multi­di­men­sio­nalen Bewegungs­struk­turen ist einer­seits der große Schatz an Formen­reichtum, den sich der Künstler erarbeitet hat. Anderer­seits liegt diesen Arbeiten eine aufwän­diges Vorgehen zugrunde: Der Hinter­grund, die Elemente und die das Bild durch­zie­henden Streifen werden durch aufwän­diges und akkurates Abkleben und Verde­cken und Auftragen einzelner Malschichten erzeugt. Die verschie­denen Farbe­benen werden mitein­ander verzahnt und treten optisch in verschränkter Weise auf- und inein­ander hervor.
Oben habe ich Frank Schae­fers Arbeits­weise vom Abstrakten Expres­sio­nismus abgegrenzt und Subjek­ti­vität ausge­schlossen bzw. darauf verwiesen, dies später auszu­führen. Dies soll an dieser Stelle aufge­griffen werden: die Schlieren, die Pinsel­spuren oder die wolkige Farbflä­chen in vielen Gemälden lassen auf Sponta­neität und eine gewisse Expres­si­vität schließen. Diese maleri­schen Aktionen werden weitest­ge­hend ungeplant und jenseits von Kontrolle vollzogen.

Intui­tion ist wichtiger Bestand­teil der Arbeits­weise. Wenn der Künstler eine bestimmte Farbe in einer bestimmten Form neben ein bestimmtes Farbfeld setzt, geschieht dies nicht immer unter der Voraus­set­zung langer Überle­gungen. Ist der Arbeits­fluss einmal in Gang gesetzt, geschieht vieles aus der Intui­tion heraus, aus dem Zwiege­spräch zwischen Künstler einer­seits sowie Farbe und Form anderer­seits. Der Künstler schöpft aus dem Erfah­rungs­schatz jahrzehn­te­langer Arbeit.
Trotzdem – und das macht jedes Gemälde immer wieder aufs Neue zu einem Wagnis – Überra­schungen und Ungewiss­heiten sind nicht auszu­schließen, sollen nicht ausge­schlossen werden. Abschlie­ßend kann man feststellen, dass Frank Schaefer mit höchst souve­räner Könner­schaft und unter virtuoser Anwen­dung der maleri­schen Mittel Farbfelder in unter­schied­li­cher Größe, Form, Gestus und Materia­lität in komplexe Bewegungen und in spannungs­reiche Bezie­hung setzt. Der Künstler beherrscht die ganze Klaviatur des Ausdrucks­ver­mö­gens von Farbe.“