Yeil Joo – Forecasts of Existence

Laufzeit: 29.10. – 26.11.26
Eröff­nung: 29.10.26, 19 Uhr
Finis­sage: 26.11.26, 19 Uhr

Wie lange kann eine Gesell­schaft bestehen?

Wann beginnt ihr Verschwinden?



Forecasts of Existence richtet den Blick auf eine Zukunft, die sich berechnen lässt und dennoch ungewiss bleibt. Die Landschaften der Ausstel­lung entstehen an der Grenze zwischen Berech­nung und Vorstel­lung. Sie tragen unter­schied­liche Zeiten und Möglich­keiten in sich, verän­dern sich, verblassen und verschwinden. 

Zahlen werden zu Linien, Prognosen zu Landschaften. Doch keine Linie führt eindeutig in die Zukunft. Statis­ti­sche Modelle versu­chen, das Kommende lesbar zu machen. Gleich­zeitig beruhen ihre Bilder auf den Bedin­gungen unserer Gegen­wart – und verän­dern sich mit ihnen.



Eine Prognose wird zum Count­down, bis zum 1. Januar 2300. Dieser Zeitpunkt ist kein festge­legtes Ende, sondern eine gedachte Grenze. Über dem Count­down trifft ein überlie­fertes Symbol für Frucht­bar­keit und Nachkommen auf die Vorstel­lung eines mögli­chen Verschwin­dens. Vergan­gen­heit, gesell­schaft­liche Erwar­tungen und eine noch offene Zukunft fallen in einem Moment zusammen. Der Ausgangs­punkt liegt in den demogra­phi­schen Verän­de­rungen Koreas. Doch die daraus entste­henden Fragen reichen weiter: Bevöl­ke­rungen wachsen, altern, wandern und verän­dern sich – und mit ihnen verän­dern sich die Gesell­schaften, in denen wir leben.

Wie weit entfernt ist eine Zukunft, die bereits in unserer Gegen­wart beginnt?

Und in welcher möchten wir leben?

Yeil Joo wurde in Südkorea geboren und lebt und arbeitet in Köln. Sie studierte Freie Kunst an der Muthe­sius Kunst­hoch­schule in Kiel. In ihrer künst­le­ri­schen Praxis beschäf­tigt sie sich mit Vergäng­lich­keit, Wirklich­keit und gesell­schaft­li­chen Phäno­menen der Gegen­wart. Beson­ders inter­es­sieren sie Zustände, die sich verän­dern, verschwinden oder je nach Perspek­tive unter­schied­lich erscheinen und gelesen werden können.

Abb.: Yeil Joo, 2026

Liza Dieck­wisch & Kathrin Graf – sweet velvet dreams and crispy clouds

Laufzeit: 10.09. – 15.10.26
Eröff­nung: 10.09.26, 19 Uhr
Finis­sage: 15.10.26, 19 Uhr

Marsh­mal­lows, Popcorn, Kokos­bälle, Frucht­bon­bons, witzige Würmchen, Schleck­mu­scheln, Maoam, Party Rolls, Fruiti’s, Brause, Lollies, Gummi­bär­chen, bunte Kaugum­mi­ku­geln, Alaaf, Kamelle, Rausch.

In der Ausstel­lung sweet velvet dreams and crispy clouds greifen Liza Dieck­wisch und Kathrin Graf das Rausch­ge­fühl des Kölner Karne­vals auf und verwan­deln den Matjö-Raum in ein flüchtig schäu­mendes, buntes Konfetti-Meer aus Wurfma­te­rial, Schaum­zu­cker, Sahne­torten auf Stoff, Gelatine, schäu­mende Waffeln aus Silikon, Velvet Brezeln, Rasier­schaum, Wolken aus Marsh­mal­low­creme und Zucker­streu­seln. Im Laufe der Dauer der Ausstel­lung werden die Materia­lien zusam­men­fließen, verschmelzen und kristallisieren.

Zertreten, zerklei­nert, zermalm, lösen sich die Kamelle langsam im Regen auf, es schäumt. Die Kehrma­schinen drehen ihre Pirou­etten. Tüten­weise Sweets, von denen man sich die “besten” raussucht und am Ende nicht weiß, wohin mit dem Rest. Entweder werden sie über die nächsten Monate hinweg vernichtet oder landen im Müll.

sweet velvet dreams and crispy clouds feiert das Sinnliche, den Genuss und die Lebens­freuden, gleich­zeitig werden Themen wie Ernäh­rungs­weisen, Trans­for­ma­tion, Konsum, Überfluss und Umwelt­ver­schmut­zung angesprochen.

Schwer­punkt von Liza Dieck­wischs künst­le­ri­scher Arbeit ist das träger­lose Bild aus Farbe. Sie inter­es­siert sich für die Möglich­keiten eines offen und flexi­bleren Bildver­ständ­nisses. Dabei beschäf­tigt sie sich vor allem mit der Autonomie von Farbe im Raum: eine selbst tragende Farbe, die unabhängig von einem Bildträger ist und dadurch eine direkten Bezug zum Raum erhält. Farbe kann dabei sowohl als archi­tek­to­ni­sches Element, Wandma­lerei oder auch Teil einer Landschaft in Erschei­nung treten.

Kathrin Grafs materi­al­ba­sierter Ansatz erforscht die inter­ak­tive Bezie­hung zwischen Körper und Materie sowie ihre soziale Bedeu­tung. Inspi­riert vom Neuen Materia­lismus experi­men­tiert Graf mit einer Vielfalt an Bau- und Alltags­ma­te­ria­lien wie Kleister, Gips, Streich­kalk, Rasier­schaum und Silikon. Die körper­liche und sinnliche Erfah­rung steht im Mittel­punkt ihrer Arbeit, wobei das Material als aktiver Partner in ihrem Gestal­tungs­pro­zess betrachtet wird. Graf erforscht Themen wie Unsicher­heit, Flüchtig,- Lebendig- und Sinnlich­keit in einer zuneh­mend digita­li­sierten, kontrol­lierten und sicher­heits­stre­benden Gesellschaft.

Fotos 1, 6, 7: Liza Dieck­wisch & Kathrin Graf, sweet velvet dreams and crispy clouds, Matjö, Köln, 2026. Foto: David Ertl © VG Bild-Kunst, Bonn

Fotos 2 – 5: Liza Dieck­wisch & Kathrin Graf, sweet velvet dreams and crispy clouds, Matjö, Köln, 2026. Foto: Fabian Hochscheid © VG Bild-Kunst, Bonn

Johannes Hoffmann – Clothes­line Socks (Herzen Blau)

geöffnet Do – So, 16. – 19. Juli, 14 – 20 Uhr

Vom 16. bis 20. Juli 2026 besteht eine der besten Möglich­keiten, die Kunst­hoch­schule für Medien Köln, ihre Studie­renden und Absolvent*innen mit deren künst­le­ri­schen Projekten aus den unter­schied­li­chen Studi­en­schwer­punkten der „Medialen Künste“ kennen­zu­lernen. Das Matjö ist als Satellit dabei und präsen­tiert die 8‑Kanal Sound-Installation Clothes­line Socks (Herzen Blau) von Johannes Hoffmann.

An durch den Raum gespannten Wäsche­leinen hängen über 100 blaue Socken. „Was ich meine, wenn ich sage, dass die Herzen blau sind“, flüstern sie und schauen uns mit Wackel­augen an. Wie eine Beschwö­rung zieht sich dieser Satz durch die Kompo­si­tion Herzen Blau – sich überla­gernde Fragmente, die sich mit einer Klang­at­mo­sphäre aus dem Hinter­zimmer vermi­schen. „Du hast einfach Zitronen auf dem Edelstahl in dünne Scheiben geschnitten“, heißt es zwischen tropfender Milch, Mohn und aus traurigen Augen aufstei­gendem Rauch — „Kleiner Eiswasser-Schluck!“

Herzen Blau wurde bisher als Solostück von Jojo Sélavy aufge­führt und wird nun zum ersten Mal als räumliche Instal­la­tion gezeigt. Auch Clothes­line Socks haben schon einmal ein anderes Stück gespro­chen – damals waren sie noch weiß.

„In der Arbeit möchte ich die Sprache zu etwas führen, das man weniger versteht, als körper­lich spürt — etwas, durch das man sich frei bewegen darf. Sie bekommt ein Gesicht, einen kleinen weichen Körper und hängt an einer Wäscheleine.“

Fotos: Johannes Hoffmann, Clothes­line Socks (Herzen Blau), 2026.

Dorothee Joachim: neu aufgestellt

Malerei-Installation

Eröff­nung: Do, 06.08.2026, 19 Uhr
Laufzeit: 06.08. — 03.09.2026
Finis­sage & Ausstel­lungs­ge­spräch mit Jochen Heufelder: Do, 03.09.2026, 19 Uhr

Mit einer spezi­fi­schen, auf die Ausstel­lungs­si­tua­tion und auf die Atmosphäre des Raumes und der Umgebung abgestimmten Auswahl von Arbeiten aus unter­schied­li­chen Werkgruppen und Zeiten stellt Dorothee Joachim ihre Malerei – und somit auch den Kunst­raum – neu auf.
Ihre Einzel­aus­stel­lung 1985 in der Hahnen­tor­burg, damals Ausstel­lungsort des Kölner BBK, war ihr „coming-out“ als Farbma­lerin; eine Dokumen­ta­tion wird in der aktuellen Schau präsent sein.

Dorothee Joachim schloss ihr Studium der Freien Kunst an den Kölner Werkschulen / FH Köln, Fachbe­reich Kunst & Design, 1982 als Meister­schü­lerin von Prof. Dieter Kraemer ab. In ihrer Arbeit konzen­triert sie sich seit Mitte der 1980er Jahre auf die Weiter­ent­wick­lung ihrer eigen­stän­digen Position inner­halb der Farbfeld­ma­lerei. Seit mehr als 25 Jahren entstehen unter anderem raumspe­zi­fi­sche, für den jewei­ligen Ort entwi­ckelte tempo­räre Malerei-Interventionen, zum Beispiel 2011 das Projekt IM ROHBAU, W7, Haus Wallrath + Jacob in Köln-Lindenthal und 2024 die Instal­la­tion FARBSPEI­CHER im Turmraum der Kunst-Station Sankt Peter Köln.

2012 wurde sie mit dem Leo-Breuer-Preis des Landschafts­ver­bands Rhein­land LVR ausge­zeichnet; 2020/21 wurde ihre Arbeit durch ein Stipen­dium des MKW des Landes NRW und 2022 durch das Stipen­dium NEUSTART KULTUR der Stiftung Kunst­fonds geför­dert. 2023 erhielt sie ein Recherche- und Arbeits­sti­pen­dium der Stadt Köln und 2024 ein Arbeits­sti­pen­dium der Stiftung Kunstfonds.